TEP
Total
endoprothese
von Dr. med. Petra Brückner
TEP: „Was
kommt danach?“
Arthrose oder auch Verschleißerkrankung der
Gelenke stellt in Deutschland eine
Volkskrankheit dar.
Etwa 5 Millionen Menschen leiden in Deutschland
unter arthrosebedingten Beschwerden. Die
Häufigkeit arthrotischer
Gelenkveränderungen nimmt zwangsläufig mit steigendem Alter zu
und pro Jahr werden in Deutschland ca. 120000 Hüftprothesen eingesetzt.
Das Altern stellt heutzutage keinen von Verlust
und Rückzug geprägten Lebensabschnitt dar.
Menschen über 60 üben im allgemeinen eine
sportliche Betätigung aus, sind an Bildung
interessiert und nehmen aktiv am
sozialen Leben teil.
Eine schwere Hüftgelenkarthrose, die zur
Immobilität zwingt, ist mit dieser Lebenseinstellung
der Senioren unvereinbar.
Durch die Implantation einer TEP wird die schmerzfreie Gelenkfunktion so
wieder hergestellt, dass
die Voraussetzungen für die gewünschte Freizeit- und
Lebensaktivität geschaffen sind.
Unter dem Eindruck der Fallpauschalen wird sich
voraussichtlich die Dauer des stationären
Aufenthaltes in der
orthopädisch-operativen Klinik nach Einbau einer TEP bei
ca. 7-8 Tagen
einpendeln.
Um so wichtiger ist im Anschluss für die z. T.
betagten Patienten/innen die stationäre Anschlussheilbehandlung zwecks
Stabilisierung des Operationsergebnisses.
Die Zielstellung der Anschlussheilbehandlung
nach Versorgung mit einer TEP
besteht in der Gesundung des operierten Patienten, Erreichen eines
stabilen Gangbildes, sicherem Treppensteigen sowie ausreichender Laufausdauer,
auch außer Haus.
Bestmögliche Beweglichkeit des operierten
Hüftgelenkes wird angestrebt und parallel dazu
eine muskuläre Stabilisierung der Gesäß- und Beinmuskulatur der operierten
Extremität.
Inhalte der stationären Rehabilitation bei
einer TEP:
1. Krankengymnastik nach Implantation
einer
TEP
Die Patienten/innen mit
einer TEP erhalten täglich
einzelkrankengymnastische
Übungsbehandlungen zu Lande.
Unter Beachtung der Belastungsvorgaben durch
den Operateur führt die/der
Krankengymnast/in
mit dem/der operierten Patienten/in täglich Laufübungen an
Unterarmgehstützen im
3- oder 4-Punkte-Gang durch und schult dabei
Körperselbstwahrnehmung und Haltung.
Da die meisten Patienten mit einer
TEP zu Hause einige
Treppen steigen
müssen, gehört auch das sichere Treppensteigen im Wechsel- oder Nachstellschritt
zu den Behandlungszielen.
Der Therapiegarten bietet die Möglichkeit, das
Laufen außer Haus auf unterschiedlicher
Bodenstruktur (Kies und Sand) sowie
bergauf und bergab sicher zu erlernen.
Ein prototypischer Autositz wird genutzt, mit
dem/der operierten Patienten/in mit einer
TEP das gelenkgerechte
Ein- und Aussteigen in das Auto in unserer Turnhalle
zu
üben.
Das selbständige Autofahren wird im allgemeinen
nach Entwöhnung von den
Unterarmgehstützen – spätestens 3 Monate nach dem Einbau der
TEP –
erlaubt.
Bei stabiler und leistungsfähiger Becken- und
Beinmuskulatur finden auch Übungen zur
Verbesserung von Balance, Koordination
und Stabilisation auf dem Therapiekreisel Einsatz.
Sobald die Operationswunde abgeheilt ist,
beginnen Übungen im warmen
Bewegungsbecken. Die Übungen werden als Einzel- oder
Gruppentherapie durchgeführt. Im Bewegungsbad summieren sich die positiven
Effekte von Aufhebung der Eigenschwere und
Wärmeanwendungen.
Die Patienten/innen mit einer
TEP führen im
Bewegungsbad kontrollierte Laufübungen
bzw. kontrollierte Abspreizbewegungen
unter Fixierung am Handlauf aus. In Rückenlage
werden Abspreizbewegungen gegen Wasserwiderstand und Kraulbeinschlag
durchgeführt. Brustschwimmen mit typischem Beinschlag verbietet sich bei einer
TEP bis
zur Beendigung des dritten
Monates nach der Operation.
2. Medizinische Trainingstherapie nach
Implantation einer
TEP:
Operierte Patienten/innen mit einer guten
körperlichen Leistungsfähigkeit können auch an
einer indikationsgerechten Medizinischen Trainingstherapie teilnehmen.
Mit der
Trainingstherapie wird angestrebt, die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit
und den
muskulären Status zu verbessern.
Die Einweisung in den Trainingsbereich geschieht als Einzeleinweisung durch
geschulte Diplomsportlehrer.
Dabei wird ein spezielles Trainingsprogramm für
die oberen Extremitäten und die nicht
operierte untere Extremität angeboten. Die Integration des operierten Beines in
das
Trainingsprogramm geschieht, da die Patienten/innen inzwischen in sehr
kurzem
Zeitabstand nach
der Operation zur Anschlussheilbehandlung kommen,
außerordentlich
vorsichtig und nur im
Einzelfall.
Als Übung für das operierte Bein nach Einbau
der TEP eignet sich in
ausgewählten Fällen
-
Training auf dem Laufband,
-
Training am Seilzuggerät,
-
Übungen an der Beinpresse.
Die Frage nach geeigneten sportlichen
Aktivitäten nach Versorgung mit
einer TEP
wird oft gestellt.
Als
geeignete Sportarten werden Schwimmen, Radfahren, Wandern,
Paddeln und Rudern
betrachtet.
Bedingt geeignet sind Skilanglauf, Jogging,
Golfspielen und Tischtennis.
Ungünstig für eine TEP sind
Ballspiele mit hohen Lauf- und Sprungbelastungen
sowie Tennis, durch die auftretenden Stoß-, Scher- und Drehbelastungen.
Technisch geübte
Spieler mit guter Bewegungskontrolle können Tennis
eingeschränkt durchführen.
Alpiner Skilauf bringt aufgrund der hohen
Sturz- und Verletzungsgefahr ein besonderes Risiko
mit sich. Geübte Skifahrer mit guter Technik und gutem Trainingszustand können
in
ausgesuchtem Gelände überdurchschnittliche direkte Gelenkbelastungen gering
gehalten.
Zu den nicht geeigneten Sportarten mit
zählen alle Sprungdisziplinen der Leichtathletik und Turnen.
3. Ergotherapie nach Implantation
einer TEP:
In der postoperativen Rehabilitation stellt die
Ergotherapie einen unverzichtbaren wichtigen
Bestandteil dar.
Zu den Aufgaben der Ergotherapeuten gehört es,
sämtliche activities of daily living mit
dem/der frisch operierten Patienten/in zu besprechen, unter Beachtung von
korrekten Bewegungsmustern.
Trotz guter Aufklärung in den Akutkliniken
besteht nach Hüftgelenkersatz häufig noch große Unsicherheit, welche Belastung
und Alltagsaktivität erlaubt bzw. nicht erlaubt ist.
Deshalb wird bereits am ersten Aufenthaltstag
eine schriftliche und persönlich-mündliche
Information über Verhaltensregeln
nach Einbau
der TEP durch die
Ergotherapeuten vermittelt, um
so
möglichen Komplikationen (Ausrenken des Gelenkes) vorzubeugen.
Alltägliche Dinge wie
-
An- und Ausziehen,
-
richtiges Treppensteigen,
-
richtiges Sitzen (mit Keilkissen),
-
richtige Schlafposition,
-
richtiges Ein- und Aussteigen in und aus
dem Bett,
-
richtiges Bücken
-
sowie das An- und Ausziehen von Schuhen
und Strümpfen
werden besprochen und geübt.
So soll der/die operierte Patient/in in die
Lage versetzt werden, alle Tätigkeiten des täglichen
Lebens sicher und ohne
Gefahr einer Gelenkluxation durchzuführen.
Dieses ADL-Training (activities of daily
living) umfasst auch die individuelle
Hilfsmittelberatung, das
Üben mit den Hilfsmitteln und Einleiten der notwendigen
poststationären Versorgung.
Üblicherweise werden folgende Hilfsmittel von
Hüft-TEP-Patienten dankbar angenommen:
-
Strumpfanziehhilfen
-
lange Schuhlöffel, elastische Schnürsenkel
-
Toilettensitzerhöhung
-
ggf. Badebrett oder Duschhocker
-
Greifzange (helfende Hand)
-
Keilkissen (um eine 90°-Beugung des
operierten Hüftgelenkes im Sitzen zu vermeiden)
-
Antirutschstopfen unter die vorhandenen
Stützen (bei späterer Nutzung von
Bewegungsbädern)
Wird im Gespräch erkannt, dass
behindertengerechte Umrüstungen auch im häuslichen
Umfeld des/der Patienten/in notwendig sind, werden diese besprochen, unter
Klinikverhältnissen erprobt und die entsprechende Ausstattung des häuslichen
Umfeldes
bereits während der Rehabilitationsmaßnahme eingeleitet.
4. Orthopädietechnik nach Implantation
einer TEP:
Alle notwendigen speziellen
orthopädietechnischen Versorgungen werden während der Rehabilitationsmaßnahme
eingeleitet und durch einen in der Klinik tätigen
Orthopädiemechaniker schnell realisiert.
5. Ärztliche Betreuung nach Implantation
der TEP:
Der Rehabilitationsmediziner kontrolliert und
koordiniert im Sinne eines Supervisors den gesamten Verlauf der
Anschlussheilbehandlung bei
TEP.
Er ist verantwortlich für den ganzheitlichen
Ansatz des Therapieprogrammes und gibt auch Empfehlungen für ein
Anschlussprogramm im häuslichen Umfeld.
Häufig hat der/die Arthrose- bzw. TEP - Patient/in einen schmerzbedingten
langen Leidensweg mit
Mobilitätseinschränkung hinter sich.
Umfassende Aufklärung und vertrauensvolle
Arzt-/Patienten/innen-Gespräche sind deshalb
nötig, um den Abbau von Bewegungsangst und die Aufgeschlossenheit gegenüber den
Therapieprogrammen zu bewirken.
Zur umfassenden Information zum „Leben mit dem
Kunstgelenk“ zählt auch das sensible
Ansprechen zur Durchführbarkeit sexueller
Aktivitäten nach Endoprothetik des Hüftgelenkes.
Durch eine erfolgreiche Operation mit
nachfolgender rehabilitativer Maßnahme kann im allgemeinen
die
Medikamenteneinnahme, insbesondere von schmerzlindernd wirkenden Medikamenten
reduziert, in den meisten Fällen sogar gänzlich eingestellt werden.
Zum Ende der Rehabilitationsmaßnahme
sollte für jede/n Patienten/in ein klarer Medikamentenfahrplan, unter dem Motto
„so wenig wie möglich, so viel wie nötig“
besprochen werden.
Nicht selten weisen TEP -Patienten/innen
aufgrund ihres Lebensalters vielfältige
Begleiterkrankungen auf. Diese sind im
Rahmen der Therapieplanung zu berücksichtigen und
zeitgleich zu behandeln.
Sollte in Einzelfällen, aufgrund der
Polymorbidität, die Rückkehr in die eigene Wohnung unter
den Bedingungen der Selbstversorgungsfähigkeit nicht möglich sein, wird von der
Rehabilitationseinrichtung die häusliche Betreuung oder der lückenlose Übergang
in eine Versorgungseinrichtung organisiert.
Im allgemeinen wird durch den Einbau
einer TEP und die anschließende
komplexe rehabilitative Behandlung unter stationären Bedingungen die gewünschte
aktive Lebensgestaltung wieder
möglich und eine deutlich verbesserte
Lebensqualität auf
physischer, psychischer und sozialer
Ebene geschaffen.
Viele Patienten/innen im berufstätigen Alter
können nach der Versorgung mit einer
TEP und anschließender stationärer
Rehabilitation ihrer früheren Berufstätigkeit
wieder nachgehen.
Sollten Sie Fragen im Zusammenhang mit einem
geplanten Hüftgelenkersatz oder zur
Nachbehandlung haben, beraten wir Sie gern.
Beste Wünsche für Ihre Gesundheit
Dr. Petra Brückner
Chefärztin der Orthopädischen Abteilung

Zur Klärung
weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw.
Therapiemöglichkeiten steht
Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen
Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin
in unserer Privatambulanz.
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Aktualisiert:
Juni 2010
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